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  • hinter der fassade: wenn selbstschutz wie selbstzerstörung aussieht

    hinter der fassade: wenn selbstschutz wie selbstzerstörung aussieht

    „Es ist Zeit, über das zu sprechen, was man nicht sieht, aber jeden Tag fühlt.“

    in meinem letzten post habe darüber geschrieben, wie mein gehirn einfach den stecker zieht. aber es gibt auch noch einen anderen teil meines kampfes, der viel schwerer in worte zu fassen ist. ein teil, der sich für außenstehende oft wie pure sebstzerstörung anfühlt – während es für mich in diesem moment der einzige weg ist, innerlich zu überleben.

    der innere sturm und der verlust der kontrolle

    mein alltag ist oft ein gigantisches ringen mit den gefühlen und impulsen, die so gewaltig sind, dass sie mich förmlich überrollen. wenn dieser innere druck das unerträgliche übersteigt, vieliere ich den zugriff auf meine vernunft. es ist, als ob das steuer meines lebens von einem autopiloten übernommen wird, der nur ein ziel kennt: druck ablassen. um jeden preis.

    die vielen gesichter der selbstschädigung

    man denkt bei selbstverletzung oft an sichtbare wunden. doch bei mir findet der kampf oft im verborgenen statt, durch das, was ich „indirekte selbstschädigung“ nenne:

    • der kaufrausch & die impulse: es entsteht ein regelrechter dran, dinge zu kaufen, die ich nicht brauche, oder sogar grenzen zu überschreiten, die ich nütern nie verletzten würde. es ist wie ein reflex, um den inneren sturm zu besänftigen – auch wenn ich mich damit finanziell immer wieder in den abgrund treibe, selbst nach einer privatinsolvenz
    • betäubung durch medien und konsum: ich nutze dinge wie medien oder sexualität nicht zur freude, sondern zur reinen selbstregulierung. in diesen momenten existiert kein morgen, nur das gierige bedürfnis nach sofortiger erleichterung
    • die stille selbstaufgabe: manchmal ist die selbstverletzung ganz leise. ich lasse ansichtlich meine medikamente weg, höre auf zu essen oder vernachlässige meine hygiene und den schutz vor kälte so sehr, dass es gefahrlich wird. es ist, als ob ich phasenweise die erlaubnis verliere, gut zu mir selbst zu sein.

    warum „gut gemeinte“ ratschläge nicht helfen

    ich weiß, dass mein partner und meine freunde sich sorgen. wenn sie versuchen, mich zu bremsen – mir zum beispiel den zugriff zu geld entziehen – prallt das in diesen phasen an mir ab. es ist kein zeichen von sturheit oder einem schwachen charakter. in diesen momenten überrollen die symptome einfach jedes soziale korrektiv. die vernunft hat schlicht keine chance gegen den schmerz.

    kein mitleid, sondern verstehen

    ich schreibe das nicht, um mitleid zu wecken. ich schreibe es, damit klar wird: das hier ist ein täglicher harter kampf gegen eine tiefgreifende psychische instabilität. es ist kein „nicht wollen“, sondern ein zeitweise „nicht können“.

    ich lerne jeden tag neu, diesen inneren sturm zu sehen, bevor er mich wegweht. es ist ein verdammt langer weg, aber ich gehe ihn.

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