Was ist eigentlich ein Assistenzhund? Kurz gesagt: Ein vierbeiniger Lebensretter, Therapeut und bester Freund in einer Person. In meinem Fall ist das Apoll, ein stolzer Mischling aus Labrador und Deutschem Bärenhund. Im April 2026 wird er acht Jahre alt – er ist also offiziell ein „Anfangssenior“, auch wenn er das selbst wahrscheinlich ganz anders sieht.
Ein Job mit 24-Stunden-Einsatz
Apoll ist nicht einfach nur „da“. Er hat einen hochspezialisierten Job, der mit meinem ersten Blinzeln am Morgen beginnt und erst endet, wenn wir beide tief eingeschlafen sind. Zu seinen Superkräften gehören:
- Das Frühwarnsystem: Er spürt Anfälle, bevor ich sie selbst bemerke. Er hilft mir, sie entweder abzuwenden oder sicher zu überstehen.
- Der Albtraum-Jäger: Wenn mich nachts die Dämonen der Vergangenheit einholen, stupst er mich wach und holt mich zurück in die Sicherheit der Realität.
- Der Alltags-Anker: Er führt mich durch das Chaos im Supermarkt und gibt mir die Orientierung, die mir oft fehlt.
Ehrlich gesagt: Ohne Apoll wäre ich heute nicht dort, wo ich bin. Er ist mein Fels in der Brandung.
Wenn man zum „Wir“ verschmilzt
Das Leben mit einem professionellen Begleiter ist wunderschön, hat aber auch seine Herausforderungen. Apoll hat das Konzept des Alleinseins nie gelernt – warum auch? Sein Job ist es, an mir zu haften wie Kaugummi am Schuh. 24/7, 365 Tage im Jahr.
Selbst in den seltenen Momenten, in denen er theoretisch nicht mitkommen kann, sieht er mich an, als hätte ich das Hundefutter auf Lebenszeit gestrichen. Die Trennung fällt ihm sichtlich schwer – er nimmt seine Verantwortung eben verdammt ernst!
Feierabend im Hundeauslauf
Damit Apoll nicht vergisst, dass er neben seinem Vollzeitjob auch einfach nur Hund sein darf, gehen wir jeden Tag in den Hundeauslauf. Das ist sein absolutes Highlight! Dort trifft er seine „Gang“ – oft eine Truppe von 10 bis 15 Hunden.
Leider gehört zum Älterwerden auch das Abschiednehmen; zwei seiner Freunde mussten wir in den letzten Jahren bereits ziehen lassen. Umso mehr genießen wir jeden Moment mit der aktuellen Rasselbande. Auch wenn er langsam in das Alter kommt, in dem man über eine Rentenversicherung nachdenken könnte, hoffe ich, dass dieser kräftige Mix mir noch viele Jahre als treuer Partner zur Seite steht.

Ein Appell an die Höflichkeit: Die Privatsphäre hinter dem Assistenzhund
Zum Schluss liegt mir noch etwas am Herzen: Eigentlich sollte man meinen, dass Respekt und Höflichkeit gegenüber Fremden selbstverständlich sind. Man fragt niemanden ungebeten nach seiner Behinderung.
Wenn ihr jemanden mit einem gekennzeichneten Assistenzhund seht – ob im Supermarkt, im Amt oder in der Bahn – dann seid euch bewusst: Dieser Hund hat eine medizinische Notwendigkeit. Die Kennzeichnung ist kein Freifahrtschein für Neugierde. Hinter jedem Assistenzhund steht eine Geschichte, die oft mit Schmerz und Kampf verbunden ist.
Bitte respektiert unsere Privatsphäre. Ein freundliches Lächeln ist okay – aber lasst uns unseren Weg gehen, so wie ihr euren geht.
„Früher war ich der mann den man kaum gesehen hat, heute bin ich der mann mit dem tollen Hund.“

