6b41 – 6b82 – 6a71 – 6a73 – 6b04 – 6b00 – 6b01 – 6b6z – 6d10.z – 6c7z – 7b2z

Kategorie: krankheiten

Das Leben mit einer psychischen Erkrankung ist eine tägliche Herausforderung, die oft im Verborgenen stattfindet. In dieser Rubrik schreibe ich über die Realität hinter den Diagnosen. Es geht um die Höhen und Tiefen, um den Umgang mit Symptomen im Alltag und um die Strategien, die beim Heilen helfen. Ein ehrlicher Austausch über die Komplexität der Psyche, die Bedeutung von Selbstfürsorge und die unschätzbare Hilfe von vierbeinigen Begleitern in schweren Zeiten.

  • wenn das leben wehtut: warum wir uns manchmal selbst schaden

    wenn das leben wehtut: warum wir uns manchmal selbst schaden

    selbstverletzendes und selbstschädigendes verhalten


    Wir alle haben Strategien, um mit Stress oder Schmerz umzugehen. Doch was passiert, wenn diese Strategien gegen uns selbst gerichtet sind? Oft beginnt es schleichend – mit einer Zigarette mehr, dem riskanten Fahrstil oder dem Griff zum Alkohol.

    Hinter „riskantem Verhalten“ steckt oft viel mehr als nur Leichtsinn. Es ist ein unbewusster Schrei nach Entlastung.

    riskantes verhalten kann als selbstschädigend betrachtet werden, da es zu körperlichen, emotionalen und sozialen schäden führen kann. risikoverhalten bezieht sich auf verhaltensweisen, die bewusst oder unbewusst ein hohes risiko für verletzungen, krankheiten oder andere negative folgen bergen.

    einige beispiele für riskantes verhalten, das als selbstschädigend betrachtet werden kann, sind:

    • rauchen von zigaretten oder tabakprodukten,
    • die das risiko von herz-kreislauf-erkrankungen, krebs und anderen gesundheitlichen problemen erhöhen können.
    • fahren unter dem einfluss von alkohol oder drogen, was zu unfällen, verletzungen und sogar zum tod führen kann.
    • unprotected sex, dass das risiko von sexuell übertragbaren krankheiten und ungewollten schwangerschaften erhöht.
    • übermäßiger alkoholkonsum, der zu lebererkrankungen, herzproblemen und anderen gesundheitlichen problemen führen kann.
    • extremsportarten und andere aktivitäten mit hohem verletzungsrisiko, die zu körperlichen verletzungen und sogar zum tod führen können.

    insgesamt kann riskantes verhalten zu einer beeinträchtigten lebensqualität, beziehungsproblemen, arbeitsplatzproblemen und anderen schwierigkeiten führen. es ist wichtig, dass menschen, die riskantes verhalten zeigen, professionelle hilfe suchen, um ihr verhalten zu ändern und ihre lebensqualität zu verbessern.

    „Sucht als Schutzschild: Wenn das Verlangen stärker ist als die Selbstfürsorge“

    „sucht“ kann als selbstschädigendes verhalten betrachtet werden, da es sich um ein verhalten handelt, das zu körperlichen, psychischen und sozialen schäden führen kann. sucht bezieht sich auf eine abhängigkeit von einer substanz oder einem verhalten, die dazu führt, dass eine person ihr verhalten trotz negativer konsequenzen fortsetzt.

    einige beispiele für selbstschädigendes verhalten im zusammenhang mit sucht sind:

    • alkohol- und drogenmissbrauch, der zu lebererkrankungen, herzproblemen, gedächtnisverlust und anderen gesundheitlichen problemen führen kann.
    • glücksspielsucht, die zu finanziellen schwierigkeiten und emotionalen belastungen führen kann.
    • internetabhängigkeit, die zu sozialer isolation, schlafstörungen und anderen problemen führen kann.
    • essstörungen, wie z.b. anorexie oder bulimie, die zu körperlichen schäden und ernährungsbedingten krankheiten führen können.

    insgesamt kann selbstschädigendes verhalten im zusammenhang mit sucht zu einer beeinträchtigten lebensqualität, beziehungsproblemen, arbeitsplatzproblemen und anderen schwierigkeiten führen. es ist wichtig, dass menschen, die von sucht betroffen sind, professionelle hilfe suchen, um ihre abhängigkeit zu überwinden und ihre lebensqualität zuverbessern.

    Wenn die Seele hungert: Essstörungen als stumme Begleiter

    besonders unter den frauen, welche an einer psychischen erkrankung erkrankt sind, kommen essstörungen hinzu. dabei handelt es sich zumeist um eine esssucht oder eine ess-brech-sucht. beides sind folgen des typischen impulsiven verhaltens, welches nicht kontrolliert werden kann.

    —– esssucht / fresssucht

    immer wieder hört man, dass menschen aus lauter frust essen. die tüte chips oder die tafel schokolade sind da weit verbreitet. damit sollen die unangenehmen gefühle, wie zum beispiel wut und ärger weggewischt werden.

    zum problem wird dieses verhalten jedoch, wenn dies der einzige weg ist, mit solchen gefühlen umzugehen. so kann das essen schnell zur sucht werden.

    man spricht von einer esssucht, wenn die folgenden punkte erfüllt sind:

    • essen ist zwanghaft und nicht kontrollierbar
    • essen, bis man umgangssprachlich platzt
    • das herunterschlingen von essen
    • essen, ohne dass man hunger hat
    • wiederkehrende fressanfälle. zwei davon pro woche über mindestens 6 monate
    • allein essen aus scham vor anderen
    • ekel nach dem essen, vor sich selbst und der nahrung
    • leiden an schuldgefühlen, depressionen oder selbstvorwürfen nach dem essen.

    —– ess brech sucht (bulimie)

    die fressattacken erfolgen mit meist leicht zu verzehrenden nahrungsmitteln, welche zusätzlich auch noch viel kalorien enthalten. zu einer bulimie gehört aber immer der gedanke, dass man möglichst dünn sein möchte. so wird nach den fressattacken, dass eben gegessene durch erbrechen oder abführmittel wieder abgeführt. fressattacken sind für die betroffenen nicht zu kontrollieren. es entsteht ein minderwertigkeitsgefühl und / oder ein gefühl der schwäche. dadurch entstehen immer wieder neue emotionelle krisen, welche dann wieder zu einer fressattacke führen.

    eine bulimie schädigt den körper des betroffenen sehr stark. es kommt zu kreislaufproblemen, herzproblemen, zu veränderungen in der speiseröhre und der magenschleimhaut und zu zahnschäden durch die magensäure. alle eventuellen schäden hier jetzt aufzuzählen, wäre zu lang und würde den rahmen sprengen.

     man spricht von einer bulimie, wenn:

    • keine kontrolle über sich während der einnahme der nahrungsmittel besteht
    • das gerade gegessene umgehend erbrochen oder durch andere mittel wieder abgeführt wird.
    • zweimal in der woche gegessen und gebrochen / abgeführt wird und dies über mindestens zwei monate

    —– magersucht (anorexie)

    nur in wenigen fällen wird bei betroffenen der persönlichkeitsstörung eine magersucht festgestellt. unter magersucht versteht man ein verhalten, welches ein zwanghaftes hungern auslöst. bei vielen menschen taucht immer wieder gedanke auf, dass man annehmen möchte oder sollte, da man ein gewichtsproblem hat. diese gedanken bestehen bei betroffenen dauerhaft. sie fühlen sich immer zu dick und zu unansehnlich.

    der magersüchtige hat aber tatsächlich hunger und auch ein hungergefühl. er zwingt sich aber immer dazu, nichts zu essen. eine magersucht kann zu vielen körperlichen problemen führen. zum beispiel:

    • ein gestörter hormonhaushalt
    • der blutdruck sinkt stark ab
    • die periode bleibt aus
    • der stoffwechsel geht auf sparflamme, da ihm nicht genügend nahrung zugeführt wird
    • es kann zur blutarmut kommen
    • depressionen und schlafstörungen

    eine magersucht ist häufig tödlich. fast jeder zehnte betroffener stirbt daran und selbst bei den übrigen bleiben zumeist dauerhafte schäden zurück.

    wir sprechen von einer magersucht, wenn:

    • das abnehmen nur allein durch das nichtessen und / oder abführen erfolgt
    • in sehr kürzer zeit mindestens 20 % des körpergewichts verloren werden
    • zu starkes und / oder übermäßiges trainieren

    die symptome der magersucht, sind:

    • das leben, sowie die gedanken und das handeln drehen sich nur ums körpergewicht
    • man muss im leben immer perfekt sein oder versucht es wenigstens zu sein
    • ständige angst das man zu dick ist
    • mangel an einsicht. es ist doch normal, dass man auf sein

    gewicht achtet, es aber nicht merkt, dass man schon viel zu dünn istein guter Freund oder freundin dir diese Geschichte erzählen würde – würdest du ihn / sie verurteilen? Wahrscheinlich nicht. Du hättest Mitgefühl. Versuche heute, dir selbst ein kleines bisschen von diesem Mitgefühl zu schenken. Du hast das Überleben geschafft – und das war bereits eine unglaubliche Leistung.

    —– binge eating

    binge-eating führt immer wieder periodisch zu fressattacken. das essen wird im gegensatz zur ess-brech- sucht danach nicht abgeführt.

    der betroffene kann mit diesem verhalten seine emotionalen bedürfnisse befriedigen. die gefühle wie trauer, einsamkeit, wut oder angst, werden dadurch für kurze seit in den hintergrund gestellt.

    anzeichen einer binge-eating-störung sind:

    • eine sättigung bleibt aus
    • schlingen von essen
    • die gefühle von schuld und scham nach der attacke
    • betroffene legen versteckte vorräte an

    Die große Frage nach dem „Warum“

    ein selbstschädigendes verhalten wird meist als krankhaft beschrieben. aber wiederum ist ein selbstschädigendes verhalten auch ein gesellschaftlich anerkanntes phänomen. wer würde denn den gang tätowieren oder das setzen piercings als selbstschädigendes verhalten ansehen! gleiches gilt auch beim alkohol, trinken oder dem rauchen. man sieht also, es gibt auch ein selbstschädigendes verhalten, welches nicht mit einer erkrankung verbunden ist.

    wo ziehen wir die grenzen?

    dies hängt zu großen teilen von der jeweiligen definition einer gesellschaft ab. es gibt zum beispiel menschen / personen und / oder völker, bei denen es normal ist, sich die haut an armen, beinen und gesicht einzuschneiden. bei uns wäre so ein verhalten schon eine definition von „krank“. aber so ein verhalten ist nur dann krankhaft, wenn man dies aus einem inneren zwang heraus betreibt. den zwang, sich selbst zu schädigen und damit bestimmte gefühle und / oder reaktionen zu erreichen.

    die hauptursache dieser zwänge ist immer eine psychische erkrankung. als hintergrund einer psychischen erkrankung steh bei den meisten betroffenen ein in der vergangenheit erlittener körperlicher, seelischer oder sexueller missbrauch, eine vernachlässigung und das nicht erlernen von gefühlen.

    äußere einflüsse und auch gefühle lösen bei den betroffenen ab einem bestimmten punkt (reizschwelle) den drang aus, sich selbst zu verletzten. für außenstehende ist es oft nicht zu verstehen und es mag auch bei den oft großen wunden nicht so aussehen, die betroffenen haben nicht die absicht, sich mit den verletzungen zu töten.

    wenn wunden sprechen!

    eine selbstschädigung kann oftmals auch ein hilferuf oder abel an andere sein. das selbstschädigende verhalten wird also als sprache verwendet, um sich anderen zu zuwenden. betroffene wollen sich so ihrer umwelt mitteilen, dass es dinge gibt, über die sich nicht oder noch nicht sprechen können oder weil es für sie einfach unmöglich ist, das erlebte in worte zu fassen. dieses verhalten sieht man oft nach einem krieg, einer vergewaltigung oder einem sexuellen missbrauch.

    Wenn Aufmerksamkeit zur Überlebensstrategie wird

    nach den selbstverletzungen bemerkt, der betroffene die reaktionen seiner umwelt. es besteht meist eine angst oder ein entsetzen und oftmals auch eine hilfsbereitschaft. die betroffenen nehmen die reaktionen genau wahr und nutzen sie oft auch zu ihren gunsten aus.

    zum beispiel:

    • „mir geht es heute ganz schlecht. ich ritze mich mal, dann wird sich um mich gekümmert.“

    so erzeugen betroffene eine aufmerksamkeit, welche ihnen sonst nicht zugetragen wird.

    Die letzte Schwelle: wenn das leben zur unerträglichen last wird

    das größtmögliche selbstschädigende verhalten ist das herbeiführen seines eigenen todes. besonders angehörige sollten dies immer im hinterkopf behalten.

    —– wann sollte man genau hinschauen?

    selbstmordgefährdung?

    man spricht von einer neigung zur selbsttötung, wenn:

    • gestiken auf eine selbsttötung hinweisen
    • ein eindeutiger todeswunsch besteht
    • es bereits zu versuchen einer selbsttötung gekommen ist
    • die gedanken sich ständig um selbsttötung oder die mittel drehen

    —– Wenn das „Nicht-mehr-Können“ zum Dauerzustand wird

    bei den betroffenen drehen sich die gedanken viel um den tod. wie wäre die welt ohne mich, was würden andere denken, wenn ich es mache, wie könnte ich es machen? solche denkweisen beherrschen das denken eines betroffenen immer zu.

    das denken an solche dinge kommt bestimmt bei vielen einmal vor. dieser gedanke, dass man einfach nicht mehr kann und am liebsten nicht mehr aufwachen möchte. bei betroffenen sind diese gedanken schon etwas weiter. für angehörige heißt es daher immer auf einen betroffenen zu achten und auch einmal zwischen den zeilen zu lesen. sobald ein betroffener seine gedanken versucht in die tat umzusetzen, sollte gehandelt werden.

    bei einem todeswunsch gibt es für die betroffenen oftmals keinen anlass. es besteht nur der wunsch, nicht mehr leben zu wollen. warum das so ist, ist für viele betroffene nicht klar zu definieren.


    —– Die große Täuschung: Warum Suizid keine „freie Entscheidung“ sind

    die selbsttötung wird oft als eine logische konsequenz von bestimmten ereignissen und / oder faktoren gesehen.

    ich falle allen zur last, ich bin es nicht wert zu leben, ich habe kein geld, keine arbeit oder freunde, ich bin todkrank oder mein leben ist schlecht, warum soll ich also noch weiterleben?

    mit meinem tod wäre dann alles viel einfacher

    es ist mein freier wille, dass ich nicht mehr leben möchte ….

    das ist leider nicht richtig. es ist nicht der freie wille des betroffenen, der hier die regeln im spiel festlegt. es ist meist eine psychische erkrankung. anders gesagt:

    die gedanken, die zu einer selbsttötung führen, sind nicht das ergebnis der bestehen faktoren (missbrauch etc.), sondern sie werden durch eine psychische erkrankung ausgelöst. hätte der betroffene diese psychische erkrankung nicht, so würde er nie auf die idee kommen, sich selbst zu töten. er würde versuchen, die auslösenden faktoren und / oder ereignisse zu bewältigen und somit sein leben zu ändern.


    „Schuldgefühle sind oft der verzweifelte Versuch deiner Seele, die Kontrolle dort zurückzuholen, wo du damals absolut machtlos warst.“

  • wenn das licht ausgeht, fängt der kampf erst an: das dilemma mit der insomnie

    wenn das licht ausgeht, fängt der kampf erst an: das dilemma mit der insomnie

    schlaf-wach-störung – 7b2z


    Es klingt so einfach: „Leg dich hin und schlaf dich mal ordentlich aus.“ Doch für mich ist das Bett kein Ort der Erholung, sondern der Schauplatz meines größten nächtlichen Kampfes. Ich leide unter einer massiven Insomnie, und das Wort „Schlafstörung“ beschreibt kaum die Intensität dessen, was ich erlebe.

    Das Gedankenkarussell im Hochgeschwindigkeitsmodus

    Sobald es still wird, beginnt das Gedankenkarussell. Mein Körper ist so extrem innerlich angespannt, dass er den Befehl „Entspannung“ schlichtweg ignoriert. Stellt euch vor, ihr seid zu Tode erschöpft, aber euer System steht auf „Gefechtsstation“. Egal wie müde ich bin – mein Körper weigert sich, die Waffen niederzulegen.

    Wenn „Schlafhygiene“ nicht mehr ausreicht

    Ich habe alles versucht. Ich halte mich strikt an die Regeln der Schlafhygiene, ich meditiere, ich integriere Entspannungstechniken in meinen Alltag. Aber ich muss ehrlich sein: Gegen diese Schwere der Störung kommen Atemübungen allein nicht an.

    Es ist ein Abwärtsstrudel. Die chronische Müdigkeit befeuert meine Dissoziationen und den „starren Blick“. Je erschöpfter ich bin, desto weniger Kontrolle habe ich über meine Psyche.

    Medikamente sind kein Leichtsinn, sondern eine Brücke

    Um den völligen Zusammenbruch zu verhindern, bin ich momentan auf medikamentöse Hilfe angewiesen. Wirkstoffe wie Zopiclon oder Promethazin sind für mich kein Ausdruck von Leichtsinn oder der Wunsch nach einer „Abkürzung“. Sie sind eine notwendige Stütze.

    Sie sind das einzige Mittel, um diesen Teufelskreis aus Anspannung und Erschöpfung für ein paar Stunden zu durchbrechen. Sie schenken mir das Minimum an Erholung, das ich brauche, um am nächsten Tag überhaupt wieder für meinen Heilungsweg funktionsfähig zu sein. Manchmal bedeutet Heilung eben auch, zu akzeptieren, dass man eine chemische Krücke braucht, bis man wieder aus eigener Kraft stehen kann.


    „Wenn die Nacht zum Schlachtfeld wird und Erschöpfung die einzige Konstante bleibt!“

  • zwischen alarmmodus und anker: leben mit k-ptbs

    zwischen alarmmodus und anker: leben mit k-ptbs

    komplexe posttraumatische belästungsstörung – 6b41


    tellt euch vor, euer Körper wäre ein Haus, in dem 24 Stunden am Tag die Alarmanlage schrillt. Nicht, weil gerade jemand einbricht, sondern weil das System vor Jahren gelernt hat, dass die Gefahr niemals wirklich vorbei ist.

    Das ist mein Alltag. Eine dauerhafte, kräftezehrende Alarmbereitschaft.

    Wenn die Gegenwart plötzlich verschwindet

    Frühere Erfahrungen haben sich tief in mein Nervensystem eingebrannt. Mein Körper hat nie gelernt, den „Sicher“-Schalter umzulegen. Ein bestimmter Geruch, ein plötzliches Geräusch oder ein visueller Eindruck – mehr braucht es nicht. Ein einziges „falsches“ Signal katapultiert mich augenblicklich aus dem Hier und Jetzt direkt zurück in die Vergangenheit.

    Das Schlimmste daran? Diese Dissoziationen kommen so abrupt, dass mein Verstand einfach den Dienst quittiert. Es ist, als würde jemand den Stecker ziehen. In diesen Momenten habe ich keine Chance, auf all die mühsam erlernten Skills oder Strategien zuzugreifen. Ich bin dann einfach weg.

    Nächte ohne Frieden

    Selbst wenn die Welt um mich herum still wird, hört der Kampf nicht auf. Die Erschöpfung verfolgt mich bis in den Schlaf. Meine Albträume sind so realistisch, dass ich morgens nicht erholt, sondern völlig zerschlagen aufwache. Diese chronische Müdigkeit macht es fast unmöglich, den nächsten Tag mit all seinen Ängsten zu meistern.

    Mein medizinisches Sicherheitssystem auf vier Pfoten

    In diesem Chaos gibt es jedoch eine Konstante, die mich am Leben hält: Mein Assistenzhund.

    Er ist für mich so viel mehr als ein loyaler Begleiter. Er ist mein medizinisches Sicherheitssystem.

    Der Nachtwächter: Wenn ich nachts in einer Panikattacke oder einem Albtraum feststecke, ist er da. Er weckt mich, unterbricht den Teufelskreis und erinnert mich daran, dass ich in Sicherheit bin.

    Der Vorbote: Er spürt die herannahende Dissoziation oft schon, bevor ich selbst merke, dass ich wegdrifte. Er ist derjenige, der mich aktiv zurückholt und mich im „Jetzt“ fixiert.

    Ohne ihn an meiner Seite würde ich in diesen Krisen buchstäblich untergehen. Er ist der Anker, der mich in dieser Welt festhält. Dank ihm kann ich mich zumindest ein kleines Stück weit sicher fühlen – ein Gefühl, das ich ohne ihn längst verloren hätte.


    „Es ist Zeit, über das zu sprechen, was man nicht sieht, aber jeden Tag fühlt.“

  • wenn die welt immer kleiner wird: mein leben hinter mauern aus angst

    wenn die welt immer kleiner wird: mein leben hinter mauern aus angst

    generalisierte angststörung – 6b00

    soziale angststörung – 6b04

    panikstörung – 6b01


    Es gibt einen Prozess, den man von außen oft nicht sieht: Wie das Leben Stück für Stück schrumpft. Heute stehe ich an einem Punkt, an dem ich fast komplett isoliert bin. Mein Zuhause ist mein einziger Schutzraum, und jede Schwelle, die nach draußen führt, fühlt sich an wie eine unüberwindbare Barriere.

    Ein Radius, der an der Haustür endet

    Wenn ich es überhaupt schaffe, die Sicherheit meiner Wohnung zu verlassen, dann niemals allein. Mein Assistenzhund ist mein Anker, mein Orientierungspunkt und meine Handlungsfähigkeit auf vier Pfoten. Ohne ihn wäre ich draußen verloren.

    Doch selbst mit ihm sind die Grenzen eng gezogen:

    Die Barriere im Kopf: Sogar das Telefon ist ein Feind. Besonders bei Ämtern blockiere ich völlig; die Angst ist dort einfach zu mächtig.

    Menschenmengen und öffentliche Orte: Seit über fünf Jahren meide ich sie komplett.

    Alltagserledigungen: Einkaufen oder Behördengänge? Für mich allein ein Ding der Unmöglichkeit.

    Mein Zuhause – Eine Festung mit Regeln

    Sogar in meinen eigenen vier Wänden ist die Angst präsent. Handwerker oder Bekannte können nicht einfach eintreten. Ich muss sie oft erst mühsam außerhalb der Wohnung „beschnuppern“, bevor sie meine Türschwelle überschreiten dürfen.

    Besonders hart trifft es mich bei der medizinischen Versorgung. Berührungen im Kopf- oder Halsbereich sind für mich unerträglich, und männliche Ärzte lösen solche Panik aus, dass lebenswichtige Behandlungen – sei es beim Zahnarzt oder Optiker – oft schlichtweg nicht stattfinden können.

    Die Last auf vielen Schultern

    Hinter den Diagnosen – Soziale Angst, Panikstörung, Generalisierte Angststörung – steht ein Mensch, der versucht, die Kontrolle über die eigenen Impulse und die emotionale Instabilität nicht zu verlieren.

    In diesem Kampf bin ich nicht allein, aber das macht es nicht immer leichter. Mein Partner managt fast alle meine Kontakte zur Außenwelt. Er ist mein Lebensanker, doch ich sehe auch die enorme Last, die er trägt. Es ist eine Verantwortung, die oft über die Kräfte eines Einzelnen hinausgeht.

    Mein Fazit: Ich brauche Hilfe, um Platz zu finden

    Diesen Text zu schreiben, ist ein Teil meines Weges. Ich merke immer deutlicher: Um in dieser Welt überhaupt noch einen Platz finden zu können, brauche ich umfassende, professionelle Hilfe. Die Mauern sind zu hoch geworden, um sie allein einzureißen.


    „Hier findest du keine Heilversprechen, aber das Versprechen, dass du nicht alleine bist.“

  • hinter der fassade: wenn selbstschutz wie selbstzerstörung aussieht

    hinter der fassade: wenn selbstschutz wie selbstzerstörung aussieht

    emotional instabile persönlichkeitsstörung – 6d10.z

    störung der impulskontrolle – 6c7z


    in meinem letzten post habe darüber geschrieben, wie mein gehirn einfach den stecker zieht. aber es gibt auch noch einen anderen teil meines kampfes, der viel schwerer in worte zu fassen ist. ein teil, der sich für außenstehende oft wie pure sebstzerstörung anfühlt – während es für mich in diesem moment der einzige weg ist, innerlich zu überleben.

    der innere sturm und der verlust der kontrolle

    mein alltag ist oft ein gigantisches ringen mit den gefühlen und impulsen, die so gewaltig sind, dass sie mich förmlich überrollen. wenn dieser innere druck das unerträgliche übersteigt, vieliere ich den zugriff auf meine vernunft. es ist, als ob das steuer meines lebens von einem autopiloten übernommen wird, der nur ein ziel kennt: druck ablassen. um jeden preis.

    die vielen gesichter der selbstschädigung

    man denkt bei selbstverletzung oft an sichtbare wunden. doch bei mir findet der kampf oft im verborgenen statt, durch das, was ich „indirekte selbstschädigung“ nenne:

    • der kaufrausch & die impulse: es entsteht ein regelrechter dran, dinge zu kaufen, die ich nicht brauche, oder sogar grenzen zu überschreiten, die ich nütern nie verletzten würde. es ist wie ein reflex, um den inneren sturm zu besänftigen – auch wenn ich mich damit finanziell immer wieder in den abgrund treibe, selbst nach einer privatinsolvenz
    • betäubung durch medien und konsum: ich nutze dinge wie medien oder sexualität nicht zur freude, sondern zur reinen selbstregulierung. in diesen momenten existiert kein morgen, nur das gierige bedürfnis nach sofortiger erleichterung
    • die stille selbstaufgabe: manchmal ist die selbstverletzung ganz leise. ich lasse ansichtlich meine medikamente weg, höre auf zu essen oder vernachlässige meine hygiene und den schutz vor kälte so sehr, dass es gefahrlich wird. es ist, als ob ich phasenweise die erlaubnis verliere, gut zu mir selbst zu sein.

    warum „gut gemeinte“ ratschläge nicht helfen

    ich weiß, dass mein partner und meine freunde sich sorgen. wenn sie versuchen, mich zu bremsen – mir zum beispiel den zugriff zu geld entziehen – prallt das in diesen phasen an mir ab. es ist kein zeichen von sturheit oder einem schwachen charakter. in diesen momenten überrollen die symptome einfach jedes soziale korrektiv. die vernunft hat schlicht keine chance gegen den schmerz.

    kein mitleid, sondern verstehen

    ich schreibe das nicht, um mitleid zu wecken. ich schreibe es, damit klar wird: das hier ist ein täglicher harter kampf gegen eine tiefgreifende psychische instabilität. es ist kein „nicht wollen“, sondern ein zeitweise „nicht können“.

    ich lerne jeden tag neu, diesen inneren sturm zu sehen, bevor er mich wegweht. es ist ein verdammt langer weg, aber ich gehe ihn.


    „Es ist Zeit, über das zu sprechen, was man nicht sieht, aber jeden Tag fühlt.“

  • wenn mein Kopf den Stecker zieht: Leben mit einer dissoziativen Störung

    wenn mein Kopf den Stecker zieht: Leben mit einer dissoziativen Störung

    dissoziative störung – 6b6z


    Es gibt Momente, in denen die Welt um mich herum einfach verschwindet. Kein lauter Knall, kein Vorwarnlicht – mein Gehirn entscheidet schlichtweg, dass es gerade „zu viel“ ist, und zieht den Stecker.

    Bei mir wurde eine dissoziative Störung diagnostiziert. Was technisch klingt, fühlt sich im Alltag oft an, als würde ich plötzlich in ein tiefes Loch aus Watte fallen. Ausgelöst wird das meist durch ganz banale Reize in meiner Umgebung: ein zu grelles Licht, zu viele Stimmen gleichzeitig oder ein Geruch, den mein Unterbewusstsein als „Gefahr“ einstuft.

    Der Nebel, der alles anhält

    Wenn dieser Zustand eintritt, nennt man das Dissoziation. Für mich fühlt es sich so an:

    • Die totale Blockade: In diesem Moment ist mein Kopf wie eingefroren. Komplexe Aufgaben – und dazu gehört leider auch das Fahren eines Autos – sind absolut unmöglich zu bewältigen.
    • Der starre Blick: Meine Augen finden keinen Fixpunkt mehr. Ich starre ins Leere, bin innerlich völlig abwesend. Es ist kein Tagträumen, sondern eine unwillkürliche Schutzreaktion meines Körpers auf Überforderung.
    • Orientierungslosigkeit: Von einer Sekunde auf die nächste weiß ich nicht mehr, wo ich bin. Mein Wachheitsgrad sinkt rapide, so als würde sich ein dichter, grauer Nebel über meine Gedanken legen.

    Der Preis der Sicherheit

    man Diese Aussetzer haben eine Konsequenz, die mich schwer trifft: Ich darf momentan kein Auto fahren. Natürlich halte ich mich strikt an dieses ärztliche Verbot. Die Sicherheit anderer und meine eigene gehen vor – da gibt es keine Diskussion. Aber ich will ehrlich zu euch sein: Es ist eine enorme Belastung. Es fühlt sich an, als hätte ich ein Stück meiner Freiheit und meiner Identität an der Garderobe abgegeben.

    Wenn Abhängigkeit die Beziehung prüft

    Besonders schwer wiegt die Situation für meinen Partner. Er ist nun mein „Tor zur Welt“. Ob Termine, Einkäufe oder einfach mal rauskommen – ich bin ständig auf ihn angewiesen.

    Das tut weh. Vor allem an Tagen, an denen es ihm selbst nicht gut geht, wenn er eigentlich Ruhe bräuchte oder einfach mal „Feierabend“ vom Alltag haben möchte. Dann wird die Abhängigkeit fast greifbar. Es entstehen emotionale Situationen, die uns beide an unsere Grenzen bringen. Wir fühlen uns oft beide gefangen: Er in der Rolle des ständigen Versorgers, ich in der Rolle der Hilfsbedürftigen, die sich um ihn sorgt, während er mich chauffiert.

    Warum ich das teile

    ich schreibe das nicht, um mitleid zu wecken. ich schreibe es, damit klar wird: das hier ist ein täglicher harter kampf gegen eine tiefgreifende psychische instabilität. es ist kein „nicht wollen“, sondern ein zeitweise „nicht können“.

    ich lerne jeden tag neu, diesen inneren sturm zu sehen, bevor er mich wegweht. es ist ein verdammt langer weg, aber ich gehe ihn.


    „Sichtbar machen, was im Stillen kämpft.“

  • der schalter im kopf: wenn das essen die kontrolle übernimmt

    der schalter im kopf: wenn das essen die kontrolle übernimmt

    binge-eating-störung – 6b82


    kennt ihr diesen moment, in dem die welt plötzlich gang eng wird? in dem ein schalter umgelegt wird, den kein wille der welt zurückdrehen kann?

    ich stecke gerade in einem strudel, der mich emotional an meine grenzen bringt. mein essverhalten ist ein extremes hin und her, ein pendel das unerbittlich zwischen zwei polen schwingt: auf der einen seite steht der versuch, fast nichts zu essen, die totale kontrolle. und auf der anderen seite? der plötzliche, völlige kontrollverlust.

    wenn binge eating das ruder übernimmt

    es ist dieses typische binge eating, über das so selten offen gesprochen wird. in diesem augenblicken esse ich ohne rücksicht auf verluste, ohne blick auf nährstoffe oder kalorien. es fühlt sich an wie genuss. es fühlt sich an wie zwang.

    was danach bleibt, ist keine sättigung. es ist eine tiefe, bleierne erschöpfung und dieses vernichtende gefühl, die macht über den eigenen körper verloren zu haben. und dann natürlich, drei vier leere tüten chips, zwei drei nutella gläser oder paketeweise eis.

    zwischen hilfe und druck

    mein partner ist wunderbar. er sieht meinen schmerz und versucht mit jeder faser seines wesens, mir zu helfen. aber ich musste schmerzhaft lernen: in den momenten, in denen er versucht, mich direkt aufzuhalten, passiert das gegenteil. der druck steigt ins unermessliche. die scham wird so laut, dass sie alles andere übertönt.

    es ist für uns beide emotional eine enorme zerreißprobe. er will retten, und ich will in diesem moment einfach nur… weg.

    mein anker: die struktur

    was mir aber wirklich hilft – und das ist mein kleiner lichtblick momentan – ist die struktur, die wir gemeinsam zu hause aufgebaut haben.

    • vorbereitung ist schutz: wenn gesunde lebensmittel griffbereit sind, bilden sie eine kleine sicherheitsbarriere
    • schadensbegrenzung: es geht nicht darum, pferfekt zu sein, sondern darum, die intensität der stürme abzumildern
    • ruhe einkehren lassen: diese etablierten routinen geben mir den halt, den mein kopf in den dunklen momenten verliert

    es ist ein erster schritt. ein bedeutender schritt, um etwas ruhe in dieses chaos zu bringen. ich lerne gerade, dass heilung kein gerader weg ist, sondern oft aus dem mutigen eingestehen der eigenen hilfslosigkeit.

    an dich da draußen: falls du dich in diesen zeilen wiedererkennst – du bist nicht „schwach“ oder „disziplinlos“. du kämpfst einen harten kampf. und es ist okay, sich hilfe zu suchen.


    „Deine Diagnose ist ein Kapitel deiner Geschichte, aber sie führt nicht die Feder.“

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