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Monat: Januar 2026

  • „es war meine schuld“ – warum wir uns nach einem trauma oft selbst anklagen

    „es war meine schuld“ – warum wir uns nach einem trauma oft selbst anklagen

    schuld & trauma


    Nach einem schweren Unfall, einer Gewalterfahrung oder einer Katastrophe bleibt oft nicht „nur“ die Angst. Was viele Betroffene im Stillen quält, sind Gefühle, über die man nur schwer spricht: Schuld und Scham.

    Vielleicht kennst du diese quälenden Sätze: „Hätte ich doch nur besser aufgepasst.“ oder „Warum habe ich nicht schneller reagiert?“ Obwohl du das Opfer der Situation warst, suchst du die Verantwortung bei dir selbst. Das klingt paradox, oder? Aber deine Psyche hat einen Grund dafür.

    Schuld als verzweifelter Schutzmechanismus

    Es ist schwer zu ertragen, aber Schuldgefühle erfüllen in unserem Kopf oft eine Funktion. Sie sind – so seltsam es klingt – ein Rettungsanker gegen die totale Ohnmacht.

    Wunsch nach Sicherheit: Wer glaubt, selbst schuld zu sein, behält die Hoffnung, es „nächstes Mal“ durch besseres Verhalten verhindern zu können. Absolute Hilflosigkeit hingegen fühlt sich lebensgefährlich an.

    Die Illusion von Kontrolle: Wenn du dir einredest, dass du einen Fehler gemacht hast, bedeutet das im Umkehrschluss: Du hättest es verhindern können. Das ist für unser Gehirn oft leichter zu ertragen, als zu akzeptieren, dass wir dem Chaos der Welt absolut hilflos ausgeliefert waren.

    Der feine Unterschied: Schuld vs. Scham

    In der Therapie unterscheidet man oft zwischen diesen beiden Gefühlen, weil sie sich unterschiedlich anfühlen:

    Scham sagt: „Ich bin schlecht.“ Scham greift deinen Selbstwert an. Sie sorgt dafür, dass wir uns verstecken und isolieren, weil wir glauben, nicht mehr „richtig“ oder wertvoll zu sein.

    Schuld sagt: „Ich habe etwas Schlechtes getan.“ Es bezieht sich auf dein Handeln.

    Wenn Täter die Rollen vertauschen (Schuldumkehr)

    Besonders schmerzhaft wird es bei zwischenmenschlicher Gewalt. Täter nutzen oft Manipulation, um die Verantwortung auf dich abzuwälzen („Du hast mich provoziert“). Wenn du das lange genug hörst, fängst du an, deine eigene Wahrnehmung anzuzweifeln. Das nennt man Schuldumkehr – und es ist ein Teil der Verletzung, die du erlitten hast, nicht die Wahrheit über dich.

    Der Weg zurück zu dir selbst

    Die Arbeit an diesen Gefühlen ist ein riesiger Teil der Heilung. Es geht nicht darum, das Geschehene kleinzureden, sondern die Verantwortung dorthin zurückzugeben, wo sie wirklich hingehört.

    Neue Perspektiven: In der Therapie lernst du Schritt für Schritt, die alten, dunklen Überzeugungen über dich selbst durch Mitgefühl zu ersetzen.

    Verständnis (Psychoedukation): Verstehe, dass dein Gehirn versucht hat, dich durch die Schuldgefühle vor der Ohnmacht zu schützen. Es war ein Überlebensmechanismus.

    Validierung: Deine Gefühle dürfen da sein. Aber sie sind kein Beweis für deine Schuld. Du darfst dir sagen: „Es war schlimm, es tut weh – aber ich trage keine Verantwortung für das, was mir angetan wurde.“

    Ein kleiner Gedanke zum Schluss:

    Wenn ein guter Freund oder freundin dir diese Geschichte erzählen würde – würdest du ihn / sie verurteilen? Wahrscheinlich nicht. Du hättest Mitgefühl. Versuche heute, dir selbst ein kleines bisschen von diesem Mitgefühl zu schenken. Du hast das Überleben geschafft – und das war bereits eine unglaubliche Leistung.


    „Schuldgefühle sind oft der verzweifelte Versuch deiner Seele, die Kontrolle dort zurückzuholen, wo du damals absolut machtlos warst.“

  • wenn das licht ausgeht, fängt der kampf erst an: das dilemma mit der insomnie

    wenn das licht ausgeht, fängt der kampf erst an: das dilemma mit der insomnie

    schlaf-wach-störung – 7b2z


    Es klingt so einfach: „Leg dich hin und schlaf dich mal ordentlich aus.“ Doch für mich ist das Bett kein Ort der Erholung, sondern der Schauplatz meines größten nächtlichen Kampfes. Ich leide unter einer massiven Insomnie, und das Wort „Schlafstörung“ beschreibt kaum die Intensität dessen, was ich erlebe.

    Das Gedankenkarussell im Hochgeschwindigkeitsmodus

    Sobald es still wird, beginnt das Gedankenkarussell. Mein Körper ist so extrem innerlich angespannt, dass er den Befehl „Entspannung“ schlichtweg ignoriert. Stellt euch vor, ihr seid zu Tode erschöpft, aber euer System steht auf „Gefechtsstation“. Egal wie müde ich bin – mein Körper weigert sich, die Waffen niederzulegen.

    Wenn „Schlafhygiene“ nicht mehr ausreicht

    Ich habe alles versucht. Ich halte mich strikt an die Regeln der Schlafhygiene, ich meditiere, ich integriere Entspannungstechniken in meinen Alltag. Aber ich muss ehrlich sein: Gegen diese Schwere der Störung kommen Atemübungen allein nicht an.

    Es ist ein Abwärtsstrudel. Die chronische Müdigkeit befeuert meine Dissoziationen und den „starren Blick“. Je erschöpfter ich bin, desto weniger Kontrolle habe ich über meine Psyche.

    Medikamente sind kein Leichtsinn, sondern eine Brücke

    Um den völligen Zusammenbruch zu verhindern, bin ich momentan auf medikamentöse Hilfe angewiesen. Wirkstoffe wie Zopiclon oder Promethazin sind für mich kein Ausdruck von Leichtsinn oder der Wunsch nach einer „Abkürzung“. Sie sind eine notwendige Stütze.

    Sie sind das einzige Mittel, um diesen Teufelskreis aus Anspannung und Erschöpfung für ein paar Stunden zu durchbrechen. Sie schenken mir das Minimum an Erholung, das ich brauche, um am nächsten Tag überhaupt wieder für meinen Heilungsweg funktionsfähig zu sein. Manchmal bedeutet Heilung eben auch, zu akzeptieren, dass man eine chemische Krücke braucht, bis man wieder aus eigener Kraft stehen kann.


    „Wenn die Nacht zum Schlachtfeld wird und Erschöpfung die einzige Konstante bleibt!“

  • apoll: mein vierbeiniger schutzengel (und vollzeit-schatten)

    apoll: mein vierbeiniger schutzengel (und vollzeit-schatten)


    Was ist eigentlich ein Assistenzhund? Kurz gesagt: Ein vierbeiniger Lebensretter, Therapeut und bester Freund in einer Person. In meinem Fall ist das Apoll, ein stolzer Mischling aus Labrador und Deutschem Bärenhund. Im April 2026 wird er acht Jahre alt – er ist also offiziell ein „Anfangssenior“, auch wenn er das selbst wahrscheinlich ganz anders sieht.

    Ein Job mit 24-Stunden-Einsatz

    Apoll ist nicht einfach nur „da“. Er hat einen hochspezialisierten Job, der mit meinem ersten Blinzeln am Morgen beginnt und erst endet, wenn wir beide tief eingeschlafen sind. Zu seinen Superkräften gehören:

    • Das Frühwarnsystem: Er spürt Anfälle, bevor ich sie selbst bemerke. Er hilft mir, sie entweder abzuwenden oder sicher zu überstehen.
    • Der Albtraum-Jäger: Wenn mich nachts die Dämonen der Vergangenheit einholen, stupst er mich wach und holt mich zurück in die Sicherheit der Realität.
    • Der Alltags-Anker: Er führt mich durch das Chaos im Supermarkt und gibt mir die Orientierung, die mir oft fehlt.

    Ehrlich gesagt: Ohne Apoll wäre ich heute nicht dort, wo ich bin. Er ist mein Fels in der Brandung.

    Wenn man zum „Wir“ verschmilzt

    Das Leben mit einem professionellen Begleiter ist wunderschön, hat aber auch seine Herausforderungen. Apoll hat das Konzept des Alleinseins nie gelernt – warum auch? Sein Job ist es, an mir zu haften wie Kaugummi am Schuh. 24/7, 365 Tage im Jahr.

    Selbst in den seltenen Momenten, in denen er theoretisch nicht mitkommen kann, sieht er mich an, als hätte ich das Hundefutter auf Lebenszeit gestrichen. Die Trennung fällt ihm sichtlich schwer – er nimmt seine Verantwortung eben verdammt ernst!

    Feierabend im Hundeauslauf

    Damit Apoll nicht vergisst, dass er neben seinem Vollzeitjob auch einfach nur Hund sein darf, gehen wir jeden Tag in den Hundeauslauf. Das ist sein absolutes Highlight! Dort trifft er seine „Gang“ – oft eine Truppe von 10 bis 15 Hunden.

    Leider gehört zum Älterwerden auch das Abschiednehmen; zwei seiner Freunde mussten wir in den letzten Jahren bereits ziehen lassen. Umso mehr genießen wir jeden Moment mit der aktuellen Rasselbande. Auch wenn er langsam in das Alter kommt, in dem man über eine Rentenversicherung nachdenken könnte, hoffe ich, dass dieser kräftige Mix mir noch viele Jahre als treuer Partner zur Seite steht.

    Ein Appell an die Höflichkeit: Die Privatsphäre hinter dem Assistenzhund

    Zum Schluss liegt mir noch etwas am Herzen: Eigentlich sollte man meinen, dass Respekt und Höflichkeit gegenüber Fremden selbstverständlich sind. Man fragt niemanden ungebeten nach seiner Behinderung.

    Wenn ihr jemanden mit einem gekennzeichneten Assistenzhund seht – ob im Supermarkt, im Amt oder in der Bahn – dann seid euch bewusst: Dieser Hund hat eine medizinische Notwendigkeit. Die Kennzeichnung ist kein Freifahrtschein für Neugierde. Hinter jedem Assistenzhund steht eine Geschichte, die oft mit Schmerz und Kampf verbunden ist.

    Bitte respektiert unsere Privatsphäre. Ein freundliches Lächeln ist okay – aber lasst uns unseren Weg gehen, so wie ihr euren geht.


    „Früher war ich der mann den man kaum gesehen hat, heute bin ich der mann mit dem tollen Hund.“

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