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Monat: November 2025

  • hinter der fassade: wenn selbstschutz wie selbstzerstörung aussieht

    hinter der fassade: wenn selbstschutz wie selbstzerstörung aussieht

    „Es ist Zeit, über das zu sprechen, was man nicht sieht, aber jeden Tag fühlt.“

    in meinem letzten post habe darüber geschrieben, wie mein gehirn einfach den stecker zieht. aber es gibt auch noch einen anderen teil meines kampfes, der viel schwerer in worte zu fassen ist. ein teil, der sich für außenstehende oft wie pure sebstzerstörung anfühlt – während es für mich in diesem moment der einzige weg ist, innerlich zu überleben.

    der innere sturm und der verlust der kontrolle

    mein alltag ist oft ein gigantisches ringen mit den gefühlen und impulsen, die so gewaltig sind, dass sie mich förmlich überrollen. wenn dieser innere druck das unerträgliche übersteigt, vieliere ich den zugriff auf meine vernunft. es ist, als ob das steuer meines lebens von einem autopiloten übernommen wird, der nur ein ziel kennt: druck ablassen. um jeden preis.

    die vielen gesichter der selbstschädigung

    man denkt bei selbstverletzung oft an sichtbare wunden. doch bei mir findet der kampf oft im verborgenen statt, durch das, was ich „indirekte selbstschädigung“ nenne:

    • der kaufrausch & die impulse: es entsteht ein regelrechter dran, dinge zu kaufen, die ich nicht brauche, oder sogar grenzen zu überschreiten, die ich nütern nie verletzten würde. es ist wie ein reflex, um den inneren sturm zu besänftigen – auch wenn ich mich damit finanziell immer wieder in den abgrund treibe, selbst nach einer privatinsolvenz
    • betäubung durch medien und konsum: ich nutze dinge wie medien oder sexualität nicht zur freude, sondern zur reinen selbstregulierung. in diesen momenten existiert kein morgen, nur das gierige bedürfnis nach sofortiger erleichterung
    • die stille selbstaufgabe: manchmal ist die selbstverletzung ganz leise. ich lasse ansichtlich meine medikamente weg, höre auf zu essen oder vernachlässige meine hygiene und den schutz vor kälte so sehr, dass es gefahrlich wird. es ist, als ob ich phasenweise die erlaubnis verliere, gut zu mir selbst zu sein.

    warum „gut gemeinte“ ratschläge nicht helfen

    ich weiß, dass mein partner und meine freunde sich sorgen. wenn sie versuchen, mich zu bremsen – mir zum beispiel den zugriff zu geld entziehen – prallt das in diesen phasen an mir ab. es ist kein zeichen von sturheit oder einem schwachen charakter. in diesen momenten überrollen die symptome einfach jedes soziale korrektiv. die vernunft hat schlicht keine chance gegen den schmerz.

    kein mitleid, sondern verstehen

    ich schreibe das nicht, um mitleid zu wecken. ich schreibe es, damit klar wird: das hier ist ein täglicher harter kampf gegen eine tiefgreifende psychische instabilität. es ist kein „nicht wollen“, sondern ein zeitweise „nicht können“.

    ich lerne jeden tag neu, diesen inneren sturm zu sehen, bevor er mich wegweht. es ist ein verdammt langer weg, aber ich gehe ihn.

  • wenn mein Kopf den Stecker zieht: Leben mit einer dissoziativen Störung

    wenn mein Kopf den Stecker zieht: Leben mit einer dissoziativen Störung

    „Weil mentale Gesundheit kein Ziel ist, das man erreicht, sondern ein Weg, den wir gemeinsam gehen.“

    Es gibt Momente, in denen die Welt um mich herum einfach verschwindet. Kein lauter Knall, kein Vorwarnlicht – mein Gehirn entscheidet schlichtweg, dass es gerade „zu viel“ ist, und zieht den Stecker.

    Bei mir wurde eine dissoziative Störung diagnostiziert. Was technisch klingt, fühlt sich im Alltag oft an, als würde ich plötzlich in ein tiefes Loch aus Watte fallen. Ausgelöst wird das meist durch ganz banale Reize in meiner Umgebung: ein zu grelles Licht, zu viele Stimmen gleichzeitig oder ein Geruch, den mein Unterbewusstsein als „Gefahr“ einstuft.

    Der Nebel, der alles anhält

    Wenn dieser Zustand eintritt, nennt man das Dissoziation. Für mich fühlt es sich so an:

    • Die totale Blockade: In diesem Moment ist mein Kopf wie eingefroren. Komplexe Aufgaben – und dazu gehört leider auch das Fahren eines Autos – sind absolut unmöglich zu bewältigen.
    • Der starre Blick: Meine Augen finden keinen Fixpunkt mehr. Ich starre ins Leere, bin innerlich völlig abwesend. Es ist kein Tagträumen, sondern eine unwillkürliche Schutzreaktion meines Körpers auf Überforderung.
    • Orientierungslosigkeit: Von einer Sekunde auf die nächste weiß ich nicht mehr, wo ich bin. Mein Wachheitsgrad sinkt rapide, so als würde sich ein dichter, grauer Nebel über meine Gedanken legen.

    Der Preis der Sicherheit

    man Diese Aussetzer haben eine Konsequenz, die mich schwer trifft: Ich darf momentan kein Auto fahren. Natürlich halte ich mich strikt an dieses ärztliche Verbot. Die Sicherheit anderer und meine eigene gehen vor – da gibt es keine Diskussion. Aber ich will ehrlich zu euch sein: Es ist eine enorme Belastung. Es fühlt sich an, als hätte ich ein Stück meiner Freiheit und meiner Identität an der Garderobe abgegeben.

    Wenn Abhängigkeit die Beziehung prüft

    Besonders schwer wiegt die Situation für meinen Partner. Er ist nun mein „Tor zur Welt“. Ob Termine, Einkäufe oder einfach mal rauskommen – ich bin ständig auf ihn angewiesen.

    Das tut weh. Vor allem an Tagen, an denen es ihm selbst nicht gut geht, wenn er eigentlich Ruhe bräuchte oder einfach mal „Feierabend“ vom Alltag haben möchte. Dann wird die Abhängigkeit fast greifbar. Es entstehen emotionale Situationen, die uns beide an unsere Grenzen bringen. Wir fühlen uns oft beide gefangen: Er in der Rolle des ständigen Versorgers, ich in der Rolle der Hilfsbedürftigen, die sich um ihn sorgt, während er mich chauffiert.

    Warum ich das teile

    ich schreibe das nicht, um mitleid zu wecken. ich schreibe es, damit klar wird: das hier ist ein täglicher harter kampf gegen eine tiefgreifende psychische instabilität. es ist kein „nicht wollen“, sondern ein zeitweise „nicht können“.

    ich lerne jeden tag neu, diesen inneren sturm zu sehen, bevor er mich wegweht. es ist ein verdammt langer weg, aber ich gehe ihn.

  • der schalter im kopf: wenn das essen die kontrolle übernimmt

    der schalter im kopf: wenn das essen die kontrolle übernimmt


    binge-eating-störung – 6b82

    kennt ihr diesen moment, in dem die welt plötzlich gang eng wird? in dem ein schalter umgelegt wird, den kein wille der welt zurückdrehen kann?

    ich stecke gerade in einem strudel, der mich emotional an meine grenzen bringt. mein essverhalten ist ein extremes hin und her, ein pendel das unerbittlich zwischen zwei polen schwingt: auf der einen seite steht der versuch, fast nichts zu essen, die totale kontrolle. und auf der anderen seite? der plötzliche, völlige kontrollverlust.

    wenn binge eating das ruder übernimmt

    es ist dieses typische binge eating, über das so selten offen gesprochen wird. in diesem augenblicken esse ich ohne rücksicht auf verluste, ohne blick auf nährstoffe oder kalorien. es fühlt sich an wie genuss. es fühlt sich an wie zwang.

    was danach bleibt, ist keine sättigung. es ist eine tiefe, bleierne erschöpfung und dieses vernichtende gefühl, die macht über den eigenen körper verloren zu haben. und dann natürlich, drei vier leere tüten chips, zwei drei nutella gläser oder paketeweise eis.

    zwischen hilfe und druck

    mein partner ist wunderbar. er sieht meinen schmerz und versucht mit jeder faser seines wesens, mir zu helfen. aber ich musste schmerzhaft lernen: in den momenten, in denen er versucht, mich direkt aufzuhalten, passiert das gegenteil. der druck steigt ins unermessliche. die scham wird so laut, dass sie alles andere übertönt.

    es ist für uns beide emotional eine enorme zerreißprobe. er will retten, und ich will in diesem moment einfach nur… weg.

    mein anker: die struktur

    was mir aber wirklich hilft – und das ist mein kleiner lichtblick momentan – ist die struktur, die wir gemeinsam zu hause aufgebaut haben.

    • vorbereitung ist schutz: wenn gesunde lebensmittel griffbereit sind, bilden sie eine kleine sicherheitsbarriere
    • schadensbegrenzung: es geht nicht darum, pferfekt zu sein, sondern darum, die intensität der stürme abzumildern
    • ruhe einkehren lassen: diese etablierten routinen geben mir den halt, den mein kopf in den dunklen momenten verliert

    es ist ein erster schritt. ein bedeutender schritt, um etwas ruhe in dieses chaos zu bringen. ich lerne gerade, dass heilung kein gerader weg ist, sondern oft aus dem mutigen eingestehen der eigenen hilfslosigkeit.

    an dich da draußen: falls du dich in diesen zeilen wiedererkennst – du bist nicht „schwach“ oder „disziplinlos“. du kämpfst einen harten kampf. und es ist okay, sich hilfe zu suchen.


    „Deine Diagnose ist ein Kapitel deiner Geschichte, aber sie führt nicht die Feder.“

  • moin und willkommen auf meinem digitalem ankerplatz 🌱

    moin und willkommen auf meinem digitalem ankerplatz 🌱

    „Sichtbar machen, was im Stillen kämpft.“

    es ist garnicht so einfach, den ersten satz zu schreiben. wie fängt man an, wenn man ein ganzes leben in ein paar zeilen packen will? vielleicht einfach ganz direkt: ich bin sebastian (im netz oft als mondkind unterwegs), baujahr 1977.

    mein lebensweg war von beginn an alles andere als geradlinig. die ersten 16 jahre meines lebens waren von schweren traumatischen erlebnissen geprägt – erfahrungen, die tiefgreifende spuren in meiner seele hinterlassen haben. seit 2011 lebe ich aufgrund einer komplexen ptbs, angststörungen, dissoziatven anfällen und depressionen mit einer erwerbsminderungsrente. das sind begriffe, die viel gewicht mit sich bringen und meinen radius im leben oft einschränken.

    doch ich habe gelernt: die gesundheit setzt mir grenzen, aber sie definiert nicht, wer ich als mensch bin.

    rückzugsort im grünen 🌱 und der anker auf vier Pfoten  🐾

    heute lebe ich in unserem haus kurz vor den toren hamburgs – nah genug an der stadt für die brise, aber weit genug draußen für die nötige ruhe. diese stille ist für mich kein luxus, sondern lebensnotwendig. mein alltag wird begleitet von zwei treuen seelen auf vier pfoten.

    • apoll: mein ptbs-assistenzhund. seit bald acht jahren ist er mein fels in der brandung, mein schatten und mein anker. er ist weit mehr als ein haustier; er ist der brückenbauer, der mir hilft, wieder kleine schritte in die welt hinauszuwagen.
    • tammy: meine katze und die heimliche chefin im haus. sie sorgt für die nötige portion gelassenheit (und eigensinn).

    Warum ich diesen Blog schreibe

    Ich möchte hier kein Blatt vor den Mund nehmen. Das Leben mit einer Traumafolgestörung ist oft ein mühsamer Tanz zwischen zwei Schritten vor und einem zurück.

    Hier erzähle ich dir von:

    • Meinem Alltag zwischen stille und Erschöpfung.
    • Dem Leben mit Assistenzhund – was es wirklich bedeutet und wie es heilt.
    • Den Momenten, in denen ich trotz allem das Lachen neu lerne.
    • Dem Mut, den es braucht, mit einer unsichtbaren Behinderung seinen Platz in der Welt zu finden.

    Ich teile meine Geschichte für mich, aber vor allem für dich. Damit du weißt: Auch wenn der Start im Dunkeln lag, darfst du dir dein eigenes Licht suchen.

    Lass uns ein Stück gemeinsam gehen. Ich freue mich, dass du da bist!

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